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Einige Fragen an Herrn Ärmel

 

Was muss der Fotograf können, was andere vielleicht nicht können?
Was muss er mitbringen außer einer Kamera?

Nun ja, wenn er auslöst sollte der König zu sehen sein ...
aber ich sage es noch schwärmerischer:
mitbringen sollte er eine unbedingte Leidenschaft
für das geglückte Bild, das ist möglicherweise schwer nachzuvollziehen
in einer stark visualisierten Welt. Vielleicht auch eine 'Begabung'
dieses geglückte Bild zu finden.
Was bei der Suche hilft ist sicher eine analytische Umtriebigkeit bis
zur schlechten Angewohnheit und ein Gespür für jenen numinosen
Rest ohne den kein großes Bild gelingt.

Aber da ist noch etwas. Er muss wissen was er tut:
Er bewegt sich in einem ambivalenten Feld, das ihm vertraut sein sollte.
Das ist wichtiger als die natürlich notwendige Beherrschung der
technischen Aspekte. Die Pole zwischen denen er sich bewegt sehen
etwas vereinfacht so aus:

In diesem Feld muss er wissen, wo er sich befindet. Sein Standort wird von
Aufgabe zu Aufgabe ein anderer sein.
Und noch etwas: Es ist gut, wenn er in der Lage ist sein Metier auch mal zu
verachten, wie Man Ray formuliert hat, er muss auch mal alles beiseite lassen
können was er weiß.

Wir möchten ein paar geläufige Stichworte abfragen:
The decisive moment?

Interessiert mich nicht wirklich, d.h. ich jage ihm nicht nach,
ich versuche mich zu entspannen und den Blick zu öffnen.

Die Dokumentation des fotografischen Blicks hat sich vom Autor gelöst.
Kameras sind überall und heute findet (fast) jedes Ereignis einen Fotografen,
der zufällig zugegen ist.

Staged Photography?

Meist eine Falle.
Die staged Photography verspricht die eigene, unverwechselbare Bildlösung und
ist doch meist unterkomplex und voller unbemerkter Klischees. Zehn Jahre
später sind diese Fotos in der Regel peinlich.
Fotografie ist für mich eine Auseinandersetzung mit der gegebenen Komplexität.

Was erfordert der iconic turn vom Fotografen?

Jedenfalls keine James-Bond-Fotografie:
Das ist das ultimative Model vor der angesagtesten Kulisse. Das Erfolgsmodell
für die Bildproduktion ist so sicher, dass es den offenen Blick behindert.
Darauf ist die Fotografie aber nicht beschränkt.

Manipulation oder straight photography?

Fotografie ist Manipulation.
Es kommt darauf an, warum, wie und in welchem Kontext manipuliert wird.
Wenn ein Fotograf behauptet, im Abbildungsvorgang unschuldig zu bleiben,
weil er sich jede Manipulation verbietet, so scheint dies eine moralische
Haltung zu sein. Das ist aber ein Missverständnis.

Ikonen?

Unser Blick hat eine unstillbare Sehnsucht nach Ikonen.
Das muss man wissen, wenn man Bilder macht. Natürlich gibt es auch
dafür erfolgreiche Muster. Aber darauf sollte man sich nicht verlassen
(siehe James-Bond-Fotografie). Visuelle Intelligenz heißt aber nicht nur
Ikonen zu finden sondern auch deren Gegenteil (das ist nicht weniger schwer).

Die Rolle des Zufalls

Wer fotografiert hat nie die Kontrolle über jedes Bildatom.
Auch Kontrollfreaks (sollten) wissen, dass der Zufall eine wichtige Rolle spielt.
Das zu akzeptieren ist eine moralische Haltung.
Im Schöpfungsprozess mitspielen und nicht alles bestimmen. Bilder wie
Versuchsanordnungen kann man auch machen, aber sie bleiben flach.

Der Kontrakt des Fotografen

Zwischen Fotograf und Modell (und selbst einem leblosen Objekt)
gibt es immer irgendeine Form des Kontrakts.

Diese Vereinbarung kann sehr unterschiedlich sein (Papparrazi-Fotografie,
Auftragsportrait oder Landschaftsfotografie ...).
Es ist wichtig, dass der Fotograf die jeweilige Vereinbarung deutlich, und
wenn auch nur für sich, formuliert.

Der Kampf um die Aufmerksamkeit

Bilder sollten nicht nur im Kampf um die Ressource
Aufmerksamkeit antreten.

Fotos, die auf den 'Wohw!-Effekt' hin frisiert werden, werden schnell
schal. Wer Aufmerksamkeit bemüht, lenken will, sollte selbst fasziniert sein,
auch von Menschen, Dingen oder Sachverhalten, die visuell nicht attraktiv scheinen.